Erfahrungen und Gedanken aus meinem Lernalltag


Die Gedanken, die Sie hier lesen, sind als buntes Puzzle zu verstehen. Es sind Auszüge aus unzähligen Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrpersonen und Fachleuten. Und es sind Erfahrungen aus meinem Arbeitsalltag.

Vielleicht beantwortet das eine oder andere Thema eine Frage, die Sie gerade beschäftigt.  Das würde mich freuen. Vielleicht tauchen weitere Fragen auf, dann zögern Sie nicht, mir diese zu stellen. In manchen Texten werden Sie durchaus ein Schmunzeln oder Augenzwinkern meinerseits heraushören. Weil ich finde, Menschen und Situationen ernst zu nehmen, schliesst Humor und Glück nicht aus.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen.

Herzlich
Anita Ganzoni

Das ABC des Lernens in Zeiten des Coronavirus – D ist am Start

Heute geht es um den Buchstaben D. D wie Denken und das kreative Denkmodell «Disney Mind-Map».

Dank Walt Disney wird es in diesem Blog bunt und vielleicht regt er Sie auch ein bisschen zum Nachdenken an.

D wie

• Disney Mind-Map
«If you can dream it, you can do it». Walt Disney

Wahrscheinlich wusste Walt Disney damals noch nicht, was die Hirnforschung heute bestätigt: Mit unserem Denken verändern wir unser Gehirn. Oder wie es Beau Lotto in seinem Buch Anders Sehen ausdrückt: «Sie müssen lernen, sich Ihre Vorstellungen auszusuchen. Ansonsten werden Ihre Vorstellungen Sie aussuchen.»

Und so funktioniert dieses Mind-Map (in Kurzfassung):
Du brauchst Papier und vier verschieden farbige Stifte. Nun definierst du ein Anliegen, einen Traum oder eine Vision, also etwas, was du erfolgreich umsetzen möchtest.

1. Du erstellst ein Mind-Map mit der Farbe A, indem du alle Ideen und Möglichkeiten notierst, die du dir erträumen kannst. Lass deiner Fantasie freien Lauf.
2. Mit der Farbe B notierst du, wie du diese Ideen praktisch umsetzen kannst. Was könntest du tun, ausprobieren?
3. Die Farbe C steht für konstruktive Kritik. Was gilt es zu verbessern, ergänzen?
4. Die Lösungsvorschläge notierst du mit Farbe D. Überarbeite dein Mind-Map so lange, bis du ein realistisches und qualitativ hinreichendes Resultat in Bezug auf deine Vision erreicht hast.

Viel Spass!

• Denkstil
Wir alle haben Zugang zu unterschiedlichen Denkstilen, haben aber oft das Gefühl, eher der analytische oder kreative Typ zu sein. Um geistig flexibel zu sein und angemessen auf ganz unterschiedliche Anforderungen reagieren zu können, ist es wichtig, verschiedene Denkstile zu pflegen. Gerade jetzt erleben wir doch täglich, wie kreativ viele Menschen mit ihrem Alltag oder ihrem Beruf umgehen, seit plötzlich alles anders ist. Oder so formuliert: Bequemlichkeit und Routine sind der Feind von Kreativität.

Hier eine Auswahl an Denkformen zum Ausprobieren:

- Konvergentes Denken ist immer auf die einzig richtige Lösung ausgerichtet, egal, wie komplex Formeln, Vorgehensweisen oder Prinzipien sind.
- Divergentes Denken ermöglicht eine Vielzahl von Lösungen, von der jede richtig sein kann. Wichtig ist eine klare Ausgangslage. Zum Beispiel: Was kann ich alles mit einem Knäuel Paketschnur machen?
- Logisch-rationales Denken unterstützt wissenschaftliche Überlegungen.
- Assoziativ-bildhaftes Denken unterstützt beim Geschichten schreiben.
- Produktiv-kreatives Denken siehe Disney Mind-Map.
- Intuitives Denken: Wir vertrauen unserem Gefühl.

D wie

- Dyslexie (Lese- Rechtschreibeschwäche)
- Dyskalkulie (Rechenschwäche)
- Dyspraxie (Probleme der motorischen Koordination)

Hier geht es um Besonderheiten der Informationsverarbeitung im Gehirn, die einen grossen Einfluss auf das Lernen haben können. Inhaltlich möchte ich auf diese komplexen Themen nicht weiter eingehen, Sie finden dazu ausgewiesene Fachleute und ausführliche Fachliteratur. Aber auch hier bin ich wieder auf Walt Disney gestossen. In seinem Buch Legasthenie als Talentsignal schreibt Ronald D. Davis über grundlegende Fähigkeiten, die charakteristisch für Legastheniker sind:

1. Sie benutzen die Fähigkeiten des Gehirns, Sinneswahrnehmungen zu verändern und zu erzeugen.
2. Sie nehmen ihre Umwelt bewusst wahr.
3. Ihre Wissbegier ist überdurchschnittlich.
4. Sie denken vorwiegend in Bildern, nicht in Wörtern.
5. Sie besitzen Scharfblick und starke Intuition.
6. Ihre sinnliche Wahrnehmung und ihr Denken sind vielschichtig.
7. Sie erleben Gedachtes real.
8. Sie verfügen über eine lebhafte Fantasie.

Nebst Walt Disney nennt er Persönlichkeiten wie Nelson Rockefeller, Charles Darwin, Thomas E. Edison, Leonardo da Vinci und viele andere, die mit (oder wegen) einer Dyslexie Grossartiges vollbracht haben. So kann aus dem Dys durchaus ein Plus werden und das Leben aller Beteiligten bereichern, wenn man diesen Fähigkeiten genügend Raum gibt. Und selbstverständlich können auch Nicht-Legastheniker solches Denkverhalten aufweisen. Vor allem, wenn sie fähig sind, verschiedene Denkstile in ihr Lernen zu integrieren.

D wie

Die Kunst des klaren Denkens von Rolf Dobelli
Sollten Sie Spass am Thema Denken haben, kann ich Ihnen dieses Buch sehr empfehlen. Der Autor führt uns unsere systematischen Denkfehler unterhaltsam vor Augen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dem Disney Mind-Map und denken Sie bereits mit Spannung an den Buchstaben E, der in Kürze folgt.

Bildquelle: Biggerplate.com