Erfahrungen und Gedanken aus meinem Lernalltag


Die Gedanken, die Sie hier lesen, sind als buntes Puzzle zu verstehen. Es sind Auszüge aus unzähligen Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrpersonen und Fachleuten. Und es sind Erfahrungen aus meinem Arbeitsalltag.

Vielleicht beantwortet das eine oder andere Thema eine Frage, die Sie gerade beschäftigt.  Das würde mich freuen. Vielleicht tauchen weitere Fragen auf, dann zögern Sie nicht, mir diese zu stellen. In manchen Texten werden Sie durchaus ein Schmunzeln oder Augenzwinkern meinerseits heraushören. Weil ich finde, Menschen und Situationen ernst zu nehmen, schliesst Humor und Glück nicht aus.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen.

Herzlich
Anita Ganzoni

Das ABC des Lernens in Zeiten des Coronavirus – es folgt C

Treffender könnte der Buchstabe heute nicht sein: C wie Coronavirus. Passend dazu auch die Lernhilfen, die es uns in harzigen Momenten oder Herausforderungen etwas leichter machen.

Weiter geht das Lernen zu Hause – mit dem Buchstaben C.

C wie

• Coaching
Coaching kommt vom englischen Wort Coach für Kutsche. Es geht also um die Person, die die Pferde sicher ans Ziel bringt. Da Schule im Moment nur noch digital stattfinden kann, wird der Lernende mehr denn je zu seinem eigenen Coach. Je nach Alter und Entwicklung übernehmen die Eltern zum Teil diese Rolle. Die Pferde ans Ziel zu bringen heisst in diesem Sinn: Ich lerne neues Wissen aufzubauen und Neugier zu entwickeln, um meine Reise zu erweitern und neue Ziele angehen zu können. Die Kriterien eines guten Coachings gelten auch für die Lernbegleitung:
Voraussetzung ist eine vertrauensvolle Beziehung, das Definieren des Problems oder der Aufgabe sowie das Erkennen und Einsetzen persönlicher Stärken und Ressourcen. Was diese Situation besonders anspruchsvoll macht, ist die Herausforderung, gleichzeitig Eltern und Coach zu sein. Wie bei jedem Coaching geht es darum, den Lernenden Kompetenzen zu vermitteln, damit sie die Anforderungen eigenständig lösen können. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe.

• Checkliste
Eine einfache Hilfe auf dem Weg zur Autonomie ist die Checkliste: Sie ist effizient, transparent und ideal:

- Wenn es viele Lernaufgaben zu bewältigen gibt.
- Wenn du einen Arbeitsprozess über längere Zeit in deinen Alltag integrieren möchtest.
- Wenn du deine Arbeit und Freizeit strukturieren willst.
- Wenn du dazu neigst, Dinge vor dir herzuschieben und du dich deshalb häufig belastet fühlst oder ein schlechtes Gewissen hast – selbst in deiner Freizeit.

Eine solche To Do-Liste hat zwei riesige Vorteile:
- Du hast die Übersicht und Kontrolle, deine Aufgaben werden fassbar und erscheinen oft gar nicht mehr so überwältigend, wie du dachtest.
- Du kannst alles abhaken (😀🙁), was du erledigt hast und du hast nicht mehr dieses ungute Gefühl «vor dem, was da noch kommt».

Möchtest du dein eigener, kompetenter Coach werden, kann dich dieses Vorgehen dabei unterstützen. Selbstverständlich kannst du andere Ressourcen anzapfen, solltest du Hilfe brauchen, wie Lehrpersonen, Eltern oder Kollegen und Kolleginnen. Wie ausführlich du deine Checkliste gestalten möchtest, ist abhängig von der Komplexität der Aufgaben. Bei grossen Arbeiten wie Projekte oder Vorträge lohnt es sich, die einzelnen Schritte detailliert aufzulisten, inklusive der Vorgehensweise, die Ziele zu formulieren, siehe dazu auch das Thema B wie Bearbeitungsprozesse. Es ist sehr empfehlenswert, die Zeit (Datum, Beginn, Dauer) verbindlich festzulegen.

• Coping
Auch dieser Begriff stammt aus dem Englischen: to cope with… Es bedeutet: überwältigen, überwinden. Dabei geht es um die Konfrontation mit Bewältigungsaufgaben, um künftig schwierige Situationen besser zu meistern als bisher. Das klingt nicht nach der Komfortzone, die wir so schätzen. Es geht darum, seine eigenen Kompetenzen zu erweitern und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Diese Fähigkeit wird heute auch oft mit dem Begriff Resilienz definiert.

Wir alle wissen, dass wir in Situationen, die uns vielleicht über unsere Grenzen hinaus gefordert haben, enorm dazugelernt haben. Das wäre auch ein spannendes Thema zum Philosophieren mit der Familie: Welche Hürden musste ich bisher überwinden und wie haben sie mich geprägt? Welche Erlebnisse haben mich stark gemacht? Bestimmt vergeht dabei die Zeit wie im Fluge…

Hoffen wir, dass wir das C wie Coronavirus möglichst schnell und möglichst gut überwinden.